der Rentnerinnenversteher wird besonders auf ältere Töpferinnen angesetzt, die sich fragen, warum sie so viel Geld in die Berufsgenossenschaft einzahlen müssen und am Ende doch nichts von den versprochenen Leistungen bekommen. Nicht etwa, weil er ihnen schöne Augen macht und sie auf einen späten Frühling hoffen lässt. Auch ist er kein potentieller Schwiegersohnkandidat. Als solcher weckt er bei der ärgsten Konkurrentin keinen Neid und wäre selbst bei der anspruchlosesten Keramikerin ohne Chance.
LadisLaus Lapprich rüttelt
an den Mütterinstinkten und Meisterinnengefühlen wie kein zweiter! Mit seiner Karl-Valentin-Figur und dem leicht schräg gelegten Kopf - als ob er gerade einen Fehler beichten muss – fliegen ihm die älteren Herzinnen zu. Die Mütter nehmen ihn sofort in die Küche, um mit Kuchen und anderen Leckereinen dieser traurigen Gestalt erst einmal etwas Kraft einzuhauchen. Die Meisterinnen fühlen sich an ihrer Ausbilderehre gepackt, wenn er auf den von ihnen geschriebenen Brief zeigt „Ich möchte mit Ihnen darüber reden“ und mit dem Augenaufschlag eines Erstklässlers nachfragt, um was es da geht. Sie überlegen - ganz Meisterin - wie sie es pädagogisch klarer rüberbringen können. In ihren zurückliegenden Berufsjahren haben sie im Laufe der Zeit selbst die dümmsten Azubis über sämtliche Hürden gebracht. Das endet ebenfalls meist mit Kaffee und Kuchen. Dann werden noch die Fotos gezeigt von der Werkstatt, den Kindern, den Enkeln, dem letzten Urlaub...
Er tut nichts - er will nur spielen! -
Keine von ihnen ahnt
dass LadisLaus Lapprich als Honorarkraft stundenweise bezahlt wird. Er rechnet gewissenhaft ab. Die Anzahl der abgesessenen Stunden sind genau so wichtig wie das Kilometergeld; die Spesen für einen (leider) halben oder ganzen Tag; das Protokoll wird nach Zeilen bezahlt – also lieber noch ein paar längere Adjektive und Füllwörter mehr; und..., und..., und... Wenn LadisLaus Lapprich unter das Sümmchen einen Doppelstrich figuriert, huscht für einen Augenblick etwas, was fantasievolle Menschen als Lächeln bezeichnen könnten, über sein plissiertes Gesicht: „Ihr könnt mich gern für eine Dummbacke halten. Eure eingezahlten Berufsgenossenschafts-Beiträge sind mir sicher!“
Es geht nichts über eine gute Buchführung -
(c) Astrid Dlugokinski-Thoma
Letzte Änderung am Freitag, 14. Mai 2010 um 18:19:07 Uhr.